Naturschutz für Kiebitz, Rebhuhn und Co. in Niederkassel

Bonn, 09.10.2019 (aktualisiert 14.10.2019, Stiftung Rheinische Kulturlandschaft).

Mitten in der Maisernte stehen diesen Mittwoch die Maschinen am Ubierweg still. Grund hierfür ist ein immer seltener vorkommender Vogel mit seinem typischen „Kiewitt-Kiewitt“-Ruf, der Kiebitz. In den letzten Jahrzehnten haben die Bestandszahlen insbesondere aufgrund von schwindenden Lebensräumen stark abgenommen. Damit der Kiebitz in Niederkassel weiterhin seinen Ruf erklingen lassen kann, stellen die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und Landwirt Franz-Josef Telohe eine Naturschutzmaßnahme, ein sog. Kiebitzfenster vor.

kiebitz

Das ca. 10.000 m² große Kiebitzfenster setzt sich zur einen Hälfte aus einer Blühfläche und zur anderen Hälfte aus einer Ackerbrache zusammen. Auf diese Weise wird vielfältiger Lebensraum sowohl in Form eines Brutreviers als auch einer angrenzenden Nahrungsressource geboten. Denn durch die Blühfläche werden Insekten gefördert, die wiederum auf dem Speiseplan der Jungvögel stehen.


„Ich gebe der Natur gerne etwas zurück“, begründet Landwirt Telohe, warum er einen Hektar seines Maisfeldes für den Kiebitz bereitstellt und dafür einen geringeren Gesamtertrag in Kauf nimmt. Bereits seit 2016 berät und unterstützt die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft die Niederkasseler Landwirte im Rahmen des Projektes „Naturschutzberatung im Rhein-Sieg-Kreis“ bei der Umsetzung von verschiedenen Naturschutzmaßnahmen. Im Fokus steht dabei die Förderung von Tierarten der offenen Feldflur, wie z. B. Feldlerche, Rebhuhn, Feldhase und Kiebitz. Zu den geförderten Maßnahmen zählen neben ein- und mehrjährigen Blühstreifen auch blühende Zwischenfrüchte, Feldlerchen- und Kiebitzfenster. Durch diese Maßnahmen können der Strukturreichtum der Agrarlandschaft gesteigert, die Nahrungsgrundlage für verschiedene Tierarten verbessert und die Deckungsmöglichkeiten ganzjährig erhöht werden. „Grundsätzlich geschieht alles auf freiwilliger Basis“, erklärt Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung, das Arbeitsprinzip der Stiftung.


Die Auswahl der Flächen für die Maßnahmen ist dabei keinem Zufall überlassen. Grundlage für das Kiebitzfenster von Landwirt Telohe ist ein vom Rhein-Sieg-Kreis beauftragtes Konzept zur Förderung der Arten der offenen Feldflur im Bereich der Städte Niederkassel und Troisdorf. Hierfür wurde u. a. eine Revierkartierung des Kiebitzes vorgenommen, auf deren Basis Vorzugsräume für Naturschutzmaßnahmen zur Förderung des Kiebitzes erstellt wurden. „Anhand der gewonnenen Erkenntnisse können Aussagen zu planungsrelevanten Maßnahmen
getroffen werden“, erläutert Hans-Gerd Steinheuer vom Amt für Umwelt und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises die Ziele des Konzepts.


Gefördert wird das Projekt vom Rhein-Sieg-Kreis, der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung NRW und der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg e. V. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist auch ein Anliegen der Jägerschaft“ begründet Elisabeth Trimborn, Vorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, die Förderung des Projekts. Neben dem vorgestellten Kiebitzfenster wurden dieses Jahr in Niederkassel 180 Feldlerchenfenster sowie 22 ha blühende Zwischenfrüchte und mehr als 3 ha ein- und mehrjährige Blühstreifen von insgesamt 9 Landwirten erfolgreich umgesetzt.

 

Ansprechpartnerin für das Projekt ist:
Amelie Hassels
Fon 0 22 8 – 90 90 72-34
Mail a.hassels@rheinische-kulturlandschaft.de


V.l.n.r. Silvan Rimkus, Mitarbeiter Stadt Niederkassel, Amelie Hassels, Projektansprechpartnerin Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Rainer Kötterheinrich, Amtsleiter für Umwelt und Naturschutz, Hilarius Ringhausen, Revierpächter, Franz-Josef Telohe, Landwirt, Dr. Stephanie Pasing-Pell, Assistentin der Geschäftsführung Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung, Stephan Vehreschild, Bürgermeister der Stadt Niederkassel, Jan Dirk Schierloh, Projektleiter Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Elisabeth Trimborn, Vorsitzende Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, Theo Brauweiler, Vorsitzender Kreisbauernschaft Rhein-Sieg, Dr. Stephan Smith, Erster Beigeordneter Stadt Niederkassel, Fritz Trimborn, Revierpächter, Hans-Gerd Steinheuer, Sachbearbeiter Amt für Umwelt und Naturschutz, Thomas Muchow, Geschäftsführer Stiftung Rheinische Kulturlandschaft


 

Naturschutz-Projekt an der L269

10. Oktober 2019

General-Anzeiger Region Sieg & Rhein / Niederkassel

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