Biotophegepreis 2010

„Weißstorchenprojekt“ Hegering Rietberg e. V., Kreisjägerschaft Gütersloh e. V.

Auf dem diesjährigen Landesjägertag am 19. Juni 2010 in Wesel ist der Hegering Rietberg von der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung Nordrhein-Westfalen und dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen gemeinsam  mit dem Biotophegepreis 2010 ausgezeichnet worden.

Bei der Errichtung von Storchennestern im Naturschutzgebiet „Rietberger Emsniederung“ versuchen die Jäger des Hegering Rietberg seit Herbst 2008 mit beratender Unterstützung der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld einer Tierart optimale Nistvoraussetzungen zu verschaffen, die bisher nur als „Durchzügler“ oder als sporadischer Gast im NSG zu sehen war.
Da diese Vögel bisher in der Region Rietberg nicht gebrütet haben, wird hiermit die Basis für eine mögliche dauerhafte Ansiedlung der Weißstörche geschaffen.
Beeindruckend ist, dass es sich bei dieser Aktivität nicht um Biotopschutzmaßnahmen für jagdbares Wild (dieses wird den Jägern ja im Regelfall unterstellt) handelt, sondern um eine uneigennützige Tätigkeit im Sinne des Naturschutzes (Ansiedlung einer bisher nicht beheimateten Vogelart).
Zumindest zwei Standorte der Nistplätze wurden so gewählt, dass eine Beobachtung ohne Beeinträchtigung der Vögel bei ihrem Nist- und Brutgeschehen sowie der Aufzucht ihres Nachwuchses für die interessierte Bevölkerung möglich ist (Dach eines Gebäudes auf dem Hof Tenge-Rietberg und Nistplatz auf einem 12 Meter hohen Masten mit Plattform in unmittelbarer Entfernung des zum „Forum Natur“ gehörenden Aussichtsturmes). Hierdurch werden diese Nistplätze nicht nur für Biologen interessant, sondern auch für Kindergärten und Schulen, die „Adebar“ oder dem „Klapperstorch“ bei der Familiengründung zuschauen können.
Mit dem letztgenannten Standort wird auch eine enge Bindung an das aus der Landesgartenschau Rietberg bekannte und heute noch LernortNatur-Maßnahmen genutzten Aktionsbündnisses Forum Natur erreicht.
Die Nistplätze sind gänzlich durch ehrenamtliche Tätigkeiten von Jägern und von gesponserten Materialien errichtet worden. Der Wert eines Nistplatzes kann mit ca. 1.500,00 € veranschlagt werden.

Ein zentrales Thema für die Organisatoren war die Standortwahl und die Erlaubnis durch die zuständigen Grundstückseigentümer. Erfreulicherweise stellten sich in diesem Kontext zwei Jäger – die Herren Matthias Mense und Bernhard Bünte – in den Dienst der guten Sache und stimmten dem Anliegen sofort zu.

Auf die Initiative des Hegerings Rietberg baute die Firma  Holzbau Holub nach Vorgaben der Biologischen Station zwei stabile Strorchennestplattformen und besorgte auch die notwendigen Masten. Vorausgegangen waren intensive Beratungsgespräche mit der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld und dem Umweltamt des Kreises Gütersloh hinsichtlich der weiteren Planung und Durchführung des Projektes. Weil Weißstörche ihre Nester gerne auf Bäumen, Gebäuden oder Strommasten in offener Landschaft bauen, hatte die Biologische Station unter Berücksichtigung ihres Nist- und Brutverhaltens im Vorfeld zwei geeignete Standorte im Vogelschutzgebiet ausgewählt.

Im Rahmen einer Gemeinschaftsaktion von Naturschützern und Jägern wurden dann Mitte März 2009 unter der Regie von Hans Holub zwei Nistplattformen mit Hilfe eines Erdbohrers und eines Teleskopkranes auf 12 Meter hohe Masten im Naturschutzgebiet aufgestellt. Die hierfür notwendigen Maschinen und Geräte wurden von den Jagdfreunden Toni Westhoff und Hans Holub kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Übrigen haben beide Sponsoren darauf verzichtet, die angefallenen Material- und Arbeitskosten in Rechnung zu stellen.

Wegen des aufgeweichten Untergrundes gestalteten sich die Erdarbeiten schwieriger als angenommen, konnten aber nach zwei Tagen ehrenamtlicher Tätigkeit erfolgreich beendet werden. Ohne diese tatkräftige Unterstützung wäre der Hegering Rietberg nicht in der Lage gewesen, dieses aufwendige Storchenprojekt zu realisieren. Insofern sind wir den langjährigen Mitgliedern und freiwilligen Helfern zu großem Dank verpflichtet.

Matthias Mense traute seinen Augen nicht, als er bereits 24 Stunden später auf seinem Grundstück das erste Storchenmännchen auf dem Nest entdeckte. Ob ein Bruterfolg möglich ist, bleibt abzuwarten. Aber ein Anfang ist gemacht. Das mediale Interesse und die Reaktionen aus der Bevölkerung waren äußerst positiv.

Durch die Anfangserfolge des vergangenen Jahres ermutigt, erlebte das Storchenprojekt am 05. März 2010 seine Fortsetzung. Um den Weißstörchen ein optimales Nistangebot zu machen, baute die Firma Holub nach Vorgaben der Biologischen Station zwei weitere Plattformen, wobei die erste Nisthilfe mit ausdrücklicher Zustimmung des Eigentümers und Jägers Carl Philipp Lins auf dem Dach des Gestüts Tenge-Rietberg in der Nähe der „Rietberger Fischteiche“ montiert worden ist. Die vierte Nisthilfe wurde unter der Regie von Hans Holub in der Nähe des „Forum Natur“ aufgestellt, so dass eine Beobachtung von dem 18 Meter hohen Aussichtsturm jederzeit möglich ist. Unbürokratische Zustimmung und anerkennende Worte gab es für diese Baumaßnahme auch von Seiten der Stadt Rietberg als Grundstückseigentümerin. Nach diesem ehrenamtlichen Arbeitseinsatz der Jägerschaft stehen in der „Rietberger Emsniederung“ jetzt insgesamt vier geeignete Nisthilfen für Weißstörche zur Verfügung. Auch die diesjährige Aktion ist von den Hegering-Mitgliedern Holub und Westhoff gesponsert worden.

Es ist erfreulich, dass dieses viel beachtete Naturschutzprojekt auch in der Nachbargemeinde Verl Nachahmer gefunden hat. Das Storchenprojekt des Hegerings Rietberg stieß dort auf großes Interesse. Im Auftrag der Stadt Verl baute die Firma Hans Holub weitere Nisthilfen für Weißstörche und stellte sie Anfang März 2010 im NSG der „Grasmeerwiesen“ auf.

Das „Storchenprojekt“ des Hegering Rietberg zeigt sehr deutlich, dass Jagd und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen und sich wunderbar ergänzen können.

LJV NRW