Biotophegepreis 2016

Hegering Kamen-Bergkamen e. V.  und die Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen mit dem Projekt des Jahrgangs 7 „Natur- und Landschaftsschutz“

 

Seit mehr als 25 Jahren besteht zwischen dem Hegering Kamen-Bergkamen und der Willy-Brandt Gesamtschule Bergkamen eine intensive Partnerschaft im Bereich der Natur- und Umweltarbeit.

 

Die Willy-Brandt-Gesamtschule ist eine sechszügige integrierte Gesamtschule. In ihr lernen alle Schülerinnen und Schüler, die in das 5. Schuljahr versetzt worden sind, gemeinsam.

 

So ist die große Unterschiedlichkeit sowohl in der sozialen Herkunft als auch im Lern- und Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler gewollt und wird zum Ansatzpunkt der schulischen Arbeit in allen Bereichen.

 

Der Hegering Kamen-Bergkamen bereitet die Projekte in Zusammenarbeit mit den in der Schule verantwortlichen Lehrkräften vor. Der Hegering sorgt für den Kontakt zu den außerschulischen Partnern und stellt entsprechendes „Fachpersonal“, welches die Schülerinnen und Schüler bei den Aktionen anleitet, zur Verfügung.

 

Alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule durchlaufen in ihrer Schulzeit verschiedenste Umweltprojekte:

-       Jahrgang 5:              „Lernort Natur“
-       Jahrgang 7:            „Natur- und Landschaftsschutz“
-       Jahrgang 9:              Pflege einer Orchideenwiese in
Zusammenarbeit mit dem NABU (jährlich, mit Schnitt und Abtragen der Mahd auf 5000 qm)
-       Jahrgang 11:  Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen
-       Lehrerkollegium:     Umwelttag für Lehrerinnen und Lehrer (jährlich mit einem anderen Schwerpunkt – z. B. Hecke, Streuobstwiese)
-       Weitere durchgeführte Aktionen:

o   Bau von Wildbienenhotels und Nisthilfen für die heimische Tierwelt

o   Hecke zum Nulltarif (Anlage eines Benjes-Hecke)

o   Pflanzung einer 250 Meter langen Feldhecke

o   Planung und Anpflanzung einer Obstwiese (ca. 5000 qm)

o   Bau einer Mäusefestung „Den Eulen zur Liebe“

o   Anlage eines Feuchtbiotpes, sowie von Stein- und Totholzhaufen

o   Nistkastenprojekt auf dem Friedhof Overberge

o   Aufstellen einer Wildbienenwand auf dem Friedhof Overberge (Partner NABU u. Friedhofsverein)

o   Gewässeratlas für Stillgewässer im Ortsteil Overberge (mit Pflegeempfehlungen)

o   „Landschaftsplan“ für den Ortsteil Overberge (Schüler erstellen einen Entwurf für das Umweltamt im Kreis Unna)

 

 

Projektbeschreibung:

 

„Natur und Landschaftsschutz“

 

a)    Ausgangslage

 

Vielerorts hat unsere Landschaft ihre natürliche Vielfalt und Schönheit, die sich im Laufe von Jahrtausenden entwickelte, verloren. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht.

 

Ein besonders trauriges Kapitel ist die Zerstörung der vielen Hecken, die es noch vor einer Generation in Deutschland gab. So wurden auch in Bergkamen viele Hecken gerodet, die Lebensraum für Tiere und Pflanzen waren.

 

Erst seit wenigen Jahren setzt sich bei den Verantwortlichen (siehe Landschaftspläne für den Kreis Unna) die Erkenntnis durch, dass Hecken ihren ökologischen Sinn haben. Ungezählte Pflanzen und Wildtiere bieten Hecken Lebensraum und Schutz.

 

Kommunen, wie private Grundbesitzer sind auf Grund von Arbeitsüberlastung oder finanziellen Engpässen oft nicht mehr in der Lage, ihren „Verpflichtungen“ im Bereich der Landschaftspflege nachzukommen. Feldhecken sind inzwischen durch Gesetz geschützt. Hecken sollten alle 8 – 10 Jahre stark beschnitten werden. Gleiches gilt u. a. auch für Kopfbäume. Hier greifen wir als Hegering mit der Unterstützung der Gesamtschule helfend ein.

 

 

b)   Teilnehmer

 

180 Schülerinnen und Schüler des jeweiligen 7. Jahrgangs der Willy-Brandt Gesamtschule mit ihren Lehrerinnen und Lehrern führen jährlich dieses Projekt durch. Im Laufe von mehr als 25 Jahren haben ca. 5000 Schülerinnen und Schüler aktiven Umweltschutz im Schulumfeld bettrieben.

 

 

c)    Projektpartner

 

Neben den beiden Partnern Schule und Hegering sind folgende weitere außerschulische Partner beteiligt:

 

-       Landwirtschaftlicher Ortsverein Bergkamen-Overberge

-       Grundeigentümer

-       Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bergkamen

-       Stadtverwaltung Bergkamen

-       Baubetriebshof Bergkamen

-       Kreis Unna (Untere Landschaftsbehörde)

-       Gemeinschaftsstadtwerke (GSW)

-       NABU Kreisverband Unna

-       Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Ruhrgebiet

 

 

d)   Durchführung

 

Grundeigentümer melden dem Hegering bzw. der Schule mögliche Einsatzorte (Hecken, Kopfweiden etc.) die naturschutzmäßig gepflegt werden müssten.

 

Die möglichen Einsatzorte werden mit dem Kreis Unna (Untere Landschaftsbehörde) begutachtet und für die sechs Klassen Einsatzorte festgelegt. Sollte es sich bei den geplanten Pflegemaßnahmen um Landschaftsbestandteile (LB) handeln, schreibt der Kreis Unna der Schule einen Arbeitsauftrag mit einer entsprechenden Bepreisung. Nach Abschluss der Arbeiten findet mit Mitarbeitern der Unteren Landschaftsbehörde eine Begehung statt. Anschließend stellt die Schule eine Rechnung an den Kreis Unna. Der Kreis überweist der Schule den Rechnungsbetrag.

 

Im Laufe der über 25-jährigen Zusammenarbeit von Schule und Hegering wurden mehr als 5000 Meter Wallhecken und ca. 200 Kopfbäume gescheitelt!

 

 

e)    Finanzierung

 

Mittlerweile sind hier mehr als 20.000 Euro an Geldern der Schule zugeflosssen.

 

Die bei der Durchführung des Projektes entstehenden Kosten (Sägen, Astscheren, Arbeitshandschuhe, Spaten, Anschaffung von Motorsägen, Sägeschutzkleidung, Sägeketten, Benzin, Öl, eventuelle Fremdkosten etc.) werden durch die erwirtschafteten Gelder in vollem Umfang gedeckt.

 

Überschüsse dienen der Unterstützung weiterer Schulprojekte (Apfelsaftprojekt, Naturschutzprojekt in Kenia, Unterstützung eines Waisenhauses für Mädchen in Portugal, Fahrräder für den LK Sport usw.).

 

 

f)     Unterstützung außerschulischer Partner

 

Stadt Bergkamen: Unterstützung durch den städtischen Baubetriebshof (Schredder plus Personal werden kostenlos zur Verfügung gestellt).

 

Freiwillige Feuerwehr: Unterstützung bei Problembäumen (Kopfweiden)

 

Gemeinschafts-Stadtwerke: Oberleitungen werden ausgeschaltet und bei entsprechenden Schnittmaßnahmen heruntergelegt.

 

Jede Klasse/Gruppe wird zusätzlich zu den betreuenden Lehrerinnen und Lehrer von „Fachpersonen“ des Hegerings Kamen-Bergkamen unterstützt.

g)   Fazit und Ausblick

 

Mittlerweile sind einige Hecken und Kopfweiden schon zum zweiten bzw. dritten Mal „auf den Stock gesetzt“ oder gescheitelt worden.

 

Die Pflegemaßnahmen zeigen gute Erfolge. Durch das regelmäßige Abschneiden der Krone – das Köpfen – sind die Bäume immer wieder ausgeschlagen. Die „Köpfe“ sind für die Insekten und Brutvögel ein interessantes „Biotop“.

 

Auch ist über die Jahre die Vermehrung der Kopfweiden an Bachläufen gelungen. Dazu sind arm dicke Äste etwa einen halben Meter in die Erde gegraben worden. Schon im ersten Jahr schlugen Zweige aus.

 

Steinkäuze, Bachstelzen, Feldsperlinge und Meisen sind´vermehrt an den „gepflegten“ Kopfbäumen zu beobachten.

 

Auch verschiedene Insektenarten nutzen die Kopfbäume.

 

Bei der Pflege der Feldhecken wird abschnittsweise vorgegangen, so dass immer auch genügend Deckung für die Heckenbewohner bleibt. Überstandsbäume werden ausgebildet. Der Heckenschnitt dient u. a. zur Anlage von Totholzhaufen. Der verbleibende Schnitt wird in Zusammenarbeit mit dem Baubetriebshof der Stadt Bergkamen geschreddert und in die Fläche gebracht.

 

Durch die regelmäßige Pflege sind dichte Strukturen entstanden, die vielen Tierarten als Unterschlupf (Deckung, Brutbereiche, Nahrungsversorgung) dienen.

 

Neben vielen Insekten- und Vogelarten nehmen auch die jagdbaren Tierarten wie Fasan, der Feldhase, das Wildkaninchen und der Fuchs (in einer Hecke ist ein neuer Naturbau entstanden) vermehrt die gepflegten Biotope an.

 

Das Projekt vermittelt den Schülerinnen und Schülern Naturerfahrung vor der Haus-/Schultür. Da alle Beteiligten von dem Projekt begeistert sind, werden der Hegering und die Schule den Weg fortsetzen.

 

Die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern, besonders bei der praktischen Umsetzung (z. B. gemeinsames Sägen) führte zu einem neuen Verhältnis zueinander, leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler zeigen in diesen Projekten oft neue Fähigkeiten, gemeinsame Arbeiten (auch die Pausen) fördert die Integration und die Klassengemeinschaft.

 

 

h)   Schulprogramm der Willy-Brandt-Gesamtschule

 

Die Fortsetzung für die nächsten Jahre ist durch die Aufnahme der Projekte ins Schulprogramm (2004) formal gesichert.

 

Durch die erwirtschafteten Gelder (Rücklagen) ist die Finanzierbarkeit über Jahre gesichert.